Sonntag, 9. Juli 2023 Schon lustig, wieviel man plötzlich von der Sprache versteht, wenn man sich länger in einem Land aufhält. Ich bin der schwedischen Sprache viel mehr zugeneigt, als wie vor vielen Jahren, als ich mit Mario den Schwedischkurs in der Migros Klubschule besuchte. Vielleicht sollte ich es nochmals versuchen? Bevor wir weiterreisen, sucht sich Rico immer einen neuen Camping heraus und bespricht das Vorgehen mit mir. Er liest die Rezessionen, schaut sich den Ort an, und was man dort unternehmen könnte. Er fand einen winzigen Camping in Familienhand, der hatte ganz tolle Rezessionen. Also ging es für uns weiter auf der E4, der Europastrassen einer Autostrassenähnlichen Strasse, bei der die Autos mit 110 Km/h fahren dürfen. Wir natürlich nur mit 80 Km/h, dafür sehen wir auch mehr. Komischerweise darf man auf dieser Autostrasse links abbiegen, aber immer nur über einen Wendeplatz, der Vändområde genannt wird. Das passiert dann so: zuerst kommt die Signalisation des Wendeplatzes, also der eigentlichen Abbiegesituation, dann fährt man rechts heraus und macht einen U Turn, und sofern niemand von hinten und sowohl auch vom Gegenverkehr kommt, darf man den Autostrassengegenverkehr überqueren. Strange, finde ich, aber es klappt meistens. Wir mussten zum Glück nie so abbiegen, hat doch unser Anhänger eine Länge von 6.840 m und unser Mercedes eine Länge von 4.441 m. Da muss dann schon gut geschaut werden. Auf jeden Fall erreichten wir gesund unsere neue Homebase in Obbola, den Camping Fläse nach 15 Uhr bei strahlendem Sonnenschein, und alles, ohne uns verfahren zu haben. Und tatsächlich, der Campingchef war so freundlich und zuvorkommend, er wies uns einen Platz direkt vor dem Meer zu, rechts von uns ein Dauercamper mit tollem Vorbau der aber nicht anwesend war, und links niemand. Da es am Vorabend scheinbar einen grossen 30 minütigen Platzregen gab, war das Gras ein wenig feucht, das störte uns aber nicht im Geringsten. Er erklärte uns alles, wie es praktiziert wird hier, wir hörten zu und wunderten uns teilweise. Wir beschlossen, am nächsten Tag weiter zu reisen. Aber zuerst packten wir die Badehose und gesellten uns zu ein paar wenigen Leuten am Sandstrand. Der Platzwart meinte, das Meer habe 23°. Dies mussten wir natürlich testen, waren wir doch noch nie schwimmen, seit wir im Norden unterwegs waren. Es war tatsächlich warm, aber diese kleine Ecke des Meeres ist eben sehr lange untief und deshalb wärmer als normal. Also liefen wir etliche Meter, bis wir endlich Schwimmtiefe erreichten. Es war erfrischend und erquickend. Es hat für die wenigen Leute nur 2 Toiletten und 2 Duschen. Lustigerweise ist das Bad abgeschlossen, damit sich keine Badegäste vom Strand dort duschen gehen. Alle Camper haben einen Schlüssel, um das Schloss aufzuschliessen, dann kehr man die weisse Tafel um, welche nun rot zeigt, geht hinein und schliesst von innen ab. Nach dem Duschen geht`s dann wieder raus, natürlich muss man alles sauber verlassen, dreht die rote Tafel wieder um und schliesst wieder ab. Duschwillige sitzen unterdessen auf der Bank draussen und warten darauf, dass das Bad wieder frei gegeben wird. Alle Dauercamper haben ein Kistli mit ihrem Duschmittel und den Utensilien, welche sie benötigen. Auch in der Küche ist es lustig, da hängen in Reih und Glied ca. 17 Pfannenbürsteli, jeder Dauercamper hat sein Eigenes und über jedem Bürsteli steht das eigene Abwaschmittel. Nur die Besucher wie wir, bringen ihre eigenen Sachen mit und nehmen sie nach getaner Arbeit wieder zurück. Abends telefonierten wir dann per Whatsapp mit unseren Töchtern und unserem Schwiegersohn, und sogar Calina und Serge hatten wir am Draht, da sie mit Tanja zusammen waren. Es war lustig, wieder einmal alle gehört zu haben. Wir bekamen Feedback von unserm Blog, was uns natürlich auch interessierte und freute. Nach dem Duschen, welches wirklich kein Problem darstellte, sagten wir uns, abwarten wie es ist. Und es war so ruhig hier, so gemütlich, ja einfach toll. Warum nicht eine Nacht anhängen? Mittlerweile sind wir der Überzeugung, je mehr Nächte, desto besser. Wir haben übrigens bis 10 Uhr tief und fest geschlafen, und das tut doch einfach gut.