Tag 57

Freitag, 21. Juli 2023   Die schwedische Gesetzgebung ist die strengste Europas, was das Hühnerfutter angeht. Deshalb müssen sich Eieresser in Schweden keine Sorgen um Antibiotika, Kadavermehl, synthetische Farbstoffe und Hormone im Essen machen. In Sachen Eigenproduktion ist Gotland keine Ausnahme. Gotlandsägg arbeitet mit verschiedenen Höfen zusammen, die Eier von freilaufenden glücklichen Hühnern liefern, und die werden dann auch an die Lebensmittelverteiler angeliefert. Gotländische Eier sind überall in Schweden erhältlich, nicht nur auf Gotland. Da wir seit heute morgen keine Frühstückseier mehr zu Verfügung haben, standen diese heute auf dem Einkaufszettel. Visby ist die Hauptstadt der Provinz Gotlands län. Das Stadtwappen zeigt das Lamm Gottes. Visby wurde 1995 in die UNESCO Welterbeliste aufgenommen. Die besterhaltene mittelalterliche  Stadt Skandinaviens zieht gleichwohl Einwohner wie Besucher in ihren Bann. Malerische kopfsteingepflasterte Gassen mit üppiger Blumenpracht, viele alte Häuser, der schöne Meerblick und nicht zu vergessen die vielen Ruinen und die Stadtmauer. Das erste was mir auffiel, dass so viele deutschsprechende Menschen umherschlenderten. Trotz des argen Windes, waren die Touristen kurzärmlig unterwegs, und auffallend viele vor allem junge Menschen, hatten sich weiss gekleidet. Auf meine Nachfrage, wieso dies so sei, bekam ich die Antwort, dass heute die White Party stattfände. Es gibt auch eine Pink Party, da sind die Leute dann pink angezogen. Trotz der grossen Menschenmenge war es einfach, mit dem Rad unterwegs zu sein. Dies kommt vor allem mir entgegen, bin ich doch nicht so gut zu Fuss unterwegs. Das Kopfsteinpflaster zu befahren, ist allerdings sehr gewöhnungsbedürftig, durchschüttelt es einem doch sehr. Irgendwann bekommt man Lust auf einen feinen Kaffe, und als eine Pizzeria vor uns auftauchte, sagten wir uns, hier gäbe es bestimmt einen feinen Schwarzen. Der Cappuccino war ausgezeichnet, eine gute Wahl, und eine sehr freundliche Bedienung. Wir kurvten so viel und so lange in Visby herum, besichtigten Ruinen, halb zerfallene Kirchen und eben immer wieder die Stadtmauer. Die Ringmauer von Visby wurde in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts erbaut und gilt als die älteste erhaltene Stadtmauer Nordeuropas. Bei einem 3,4 Km langen Spaziergang (oder eben halt auch Fahrradtour) um die Mauern entdeckt man unter anderem den verkeilten Schleuderstein am Sankt Göran-Tor und das Doppelgesicht am Südtor. Im Hafen lagen viele Boote und Yachten, mit fein gekleideten Leuten, welche an Board herumlagen oder standen, etwas tranken oder einfach nur den Schaulustigen, welche sie musterten, zusahen. Manch einer guckte neidisch. Ein Bekannter von Canada sagte einmal: ein glücklicher Moment im Leben eines Mannes ist, wenn er sich ein Boot kaufen kann. Aber der glücklichste Moment im Leben eines Mannes ist, wenn er es wieder verkauft. Wahrscheinlich hat dies mit dem Unterhalt und dem Geld zu tun. Wir haben ihm damals geglaubt, obwohl, gelacht haben wir trotzdem darüber. Wir sind später nochmals zu unserem parkierten Auto am Strandvägen gefahren, um die Parkzeit verlängern zu können, zum Glück hat Rico diese App, bei der man das so toll eingeben kann. Da wir sowieso in der Nähe des damaligen Campings waren, wollten wir ihn uns nochmals ansehen. Aber an Stelle des Campings, standen da neue Strandhäuser, mit Sicht auf das Meer. Der Campingplatz war weiter nach hinten versetzt worden, zwischen Meer und Camping eine vielbefahrene Strasse. Zurück im Stadtzentrum sahen wir uns verschiedene Läden an, darunter der Wisy ost, ein Käsefachgeschäft mit hochwertigen Käse – und Wurstwaren, der auch handwerkliche Produkte anbietet. Der Karamellboden ist ein Süsswarengeschäft, vom Boden bis zur Decke. Alleine vom Geruch her könnte man schon Diabetes bekommen. Unzählige Geschäfte bieten natürlich auch Gotland Lammfelle an, sie sehen einem Afrolook ähnlich. Leinen ist hier auch hoch im Kurs, es gibt so tolle Kindersachen, welche kaufenswert wären. Nach einer kurzen Verschnaufpause mit einem Aperol gestärkt, ging es dann auf den Markplatz, wo gerade viele Stände ihre Waren feil hielten. Die Sonne brannte erbarmungslos herunter und trotzt des Windes gab es kaum Abkühlung. Nun ging es vor allem darum, die etlichen Speisekarten zu übersetzen, was uns mit Hilfe der AR Übersetzungsapp und einem Screenshot immer gut gelingt. So entscheiden wir schlussendlich, wo wir essen gehen, wenn wir denn nicht auf dem Campingplatz selber kochen. Das Restaurant welches wir aussuchten, bot einen guten Überblick auf die vorbeiziehende Menschenmenge und war schon deshalb interessant. Wir genossen es plötzlich, so vielen Leute zuzusehen und ein wenig Abwechslung zu haben. Ich meine, wir sind ja bloss zu zweit und haben nicht so oft Abwechslung. Wir haben es genossen! Rico bestellte für sich ein Lammfillet, welches so schön mit Weisskohl und Jungkarotten garniert war. Ich hatte ein Oxfillet (schwedisch) an einer Rotweinsauce, garniert mit 3 Spargeln und Broccoli. Das Fleisch war ausgezeichnet, und wir super zufrieden und glücklich. Es war ein schöner Ausflug nach Visby

Bilder Tag 57

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