Sonntag, 23. Juli 2023 Warum gibt es auf Gotland so viele Kirchen? Die Gesetze wurden vom Christentum vorgegeben. Die Kirche war der selbstverständliche Mittelpunkt des Kirchensprengels. Da Gotland im Mittelalter exrem reich war, wurden viele stattliche Kirchen gebaut. Paradoxerweise wurde Gotland im späteren Mittelalter extrem arm, so dass man nicht die Mittel hatte, um die Kirchen abzureissen oder umzubauen, wie das andernorts geschah. Man liess die Kirchen also stehen. Viel später wurde ein Teil davon renoviert, aber andere verfielen zu Ruinen, was wir heute als schön empfinden. Wann wurde Gotland schwedisch? In der späten Wikingerzeit, so um 1361, fiel der dänische König Valdemar auf der Insel ein, und fortan gehörte Gotland zu Dänemark. Im Rahmen des Friedens von Brösebro wurde die Insel schwedisch, obwohl anfangs des 19. Jahrhunderts die Russen einfielen und sich die Insel ein paar Monate unter den Nagel rissen. Doch sie verschwanden glücklicherweise schnell wieder. Auch heute versuchte die Sonne sich durch die zahlreichen Wolken, welche sich immer wieder am Himmel formatieren, hindurch zu scheinen. Der Wind bliess wie verrückt, und so konnten die Wolken sich nicht über uns entleeren, da sie immer weiter weg geblasen wurden. Unser Weg führte uns an einem kleinen Quartier vorbei, in dem ein Vater am Rasenmähen war. Im riesigen Garten stand ein Baum mit einer Baumhütte, welche sich schon fast Villa nennen könnte. Was müssen die Kinder dort happy sein! Der rasenmähende Vater grinste mir zu, währenddem ich Fotos schoss, ich zeigte ihm den Daumen hoch. Auf der andern Seite der Strasse war ein kitzekleines Seelein, wahrscheinlich das Wasserreservoir der Feuerwehr, und darin halb versunken ein Fischerboot. Wir stellten uns vor, wie die Kinder hier spielen so wie Pippi Langstrumpf. Das Fahren selbst war fast wie in Finnland: rechts und links Bäume, ab und zu ein Weizen – oder Haferfeld, bereitstehend um bald abgeerntet zu werden. Nur 28 Km entfernt lag unser Ziel, das Hesselby Jernvägsmuseum in Dalhem. Im Zentrum von Gotland befindet sich der Bahnhof der historischen Museumseisenbahn. Das Stationshuset Hesselby, also das Bahnhofsgebäude, wurde 1902 erbaut. Es war der grösste Zwischenbahnhof auf der Strecke zwischen Slite und Roma Jernväg (SIRJ). Leider wurde die Zugsverbindung nur 50 Jahr später wieder aufgegeben und das Bahnhofsgebäude fungierte als Postamt. Nachdem Anfang der 1960 Jahre auch der letzte Zug von Gotland zum Stehen kam, wurden auch die Schienen entfernt. 1972 gründete sich der Verein Gotlandståget und kaufte das Bahnhofsgelände in Dalhem, sowie die Dampflokomotive SIRJ 3 Dalhem. In den Folgejahren wurden Lokomotiven, Waggons und Gebäude renoviert und am 8. Oktober 1978 eingeweiht. Die Sammlung hat sich immer vergrössert, und seither wird sie wird mit Liebe gepflegt und in Stand gehalten. Heute besteht der Fuhrpark aus vier Dampfloks, drei Dieselloks, zwei Schienenbussen und unzähligen Güterwagen und Servicefahrzeugen. Im Magazin von 1939 ist heute eine Dauerausstellung des Eisenbahnmuseums, wobei verschiedenste Gegenstände wie alte Fahrpläne, Signale, Lampen etc. ausgestellt werden. Das Ganze ist überhaupt nicht überfüllt und fasziniert auch kleine Kinder. 1978 wurden dann die Schienen wieder neu verlegt zwischen Dalhem und Roma, da wird übrigens auch schwedisch gesprochen… Die heutige Verbindung ist ca. 6,5 Km lang und die Fahrt dauert 30 Minuten, solange nichts dazwischen kommt. Es ist eine ruckelige Angelegenheit, so fest wurden wir durchgeschüttelt. Doch man wähnte sich in einem andern Zeitalter, ausser dass die Kleidung bei uns allen nicht stimmte. Mittlerweile war es doch wieder sehr heiss geworden, ich habe gelesen, dass es auf Gotland und auf der Insel Öland sehr viel milder ist, als andernorts in Schweden. Obwohl nicht so ungefährlich, durfte man sich ausserhalb des Waggons im Einstiegsbereich ausserhalb aufhalten, was wir natürlich sehr genossen haben. Plötzlich wird man als Erwachsener wieder zum Kind. Ich muss nicht extra erwähnen, dass wir nicht die Einzigen waren. Bei einem kurzen Halt in Tule gab es noch mündliche Informationen, welche leider nur in Schwedisch abgehalten und vermittelt wurden. Der Zugführer nutzte die Gelegenheit um eine Zigarette zu rauchen, dies ist ja in Schweden bekanntlich schwierig, da oft mit Verboten und Tafeln gewarnt wird, dies öffentlich zu tun. Unser Weg führte uns weiter an die Ostsee nach Ljugarn, wo es uns fast weg gewindet hätte. Zum Glück sind wir nicht so leicht, alles hat seine Vorteile und Nachteile. Obwohl Ljugarn ein wenig geschützt in der Insel eingebettet ist, hatte es keine Schwimmer im Meer, die Luft war einfach zu kalt. Dort ansässig ist ein berühmtes Väffelmagasinet, bei dem wir uns eine Waffel schmecken liessen, Rico mit Vanilleeis und ich schwedisch mit Rahm und Marmelade. Quer durch die Insel führte uns unser Weg weiter an die Westseite, welche am atlantischen Ozean liegt, genannt auch Central Baltic Seas oder Zentrale Ostsee, nach Klintehamn. Diese Gemeinde liegt 32 Km südlich von Visby, und erlebte am Ende des 18. Jahrhunderts seinen Aufschwung durch seinen grossen Hafen. Hier wurde eine Reederei gegründet und eine grosse Werft errichtet. Von hier aus kann man auch auf die Inseln Lilla Karlsö und Stora Karlsö übersetzen, wo sich Naturschutzgebiete befinden und ein riesiges Vogelvorkommen ist. heute befinden sich riesige hohe Holzlager, welche vermutlich zu Spanplatten verarbeitet werden. Da es schon später war und wir noch kein Abendessen hatten, beschlossen wir nochmals Visby aufzusuchen. Wir assen im selbigen Restaurant wie vor 2 Tagen, das Fleisch war sehr gut, mit dem Rest hatten wir beide Mühe. Pommes sind halt nicht so gut verträglich gegen Abend. Der Wetterbericht hat Regen angesagt für morgen Montag, das passt gut, so können wir länger schlafen.