Dienstag, 27. 6. 2023 Heute hatten wir vor, dies war eigentlich unser Plan, in Andenes auf den Camping zu fahren, um dort eine Nacht zu verbringen. Doch wie so oft, änderten wir unterwegs unsere Meinung, sind wir doch so spontan. Der Weg war lange und zog sich hin. Kilometerweise Naturreservate mit wunderschönen Seen, majestätischen Fjorden, immer wieder kleinen weissen Stränden, und bemerkenswerten steilen Brücken. Und natürlich auch Bergen. Wenn man selbst fährt, kann man nicht so viel sehen und schauen, als wenn man Beifahrer ist. Als Mitfahrer ist es oft schwierig, ein gutes Foto zu schiessen, da der Wohnwagenspiegel weit nach aussen reicht und die Sicht nimmt. Also muss man anhalten. Und aus dem offenen Autodach ist es nicht minder einfach, da man das Handy zu steil hält, des Autodachs wegen. Man sieht so viel Schönes, bespricht es zusammen oder macht den andern darauf aufmerksam. Es war eine spannende Reise, lieben wir doch gleichermassen die Natur und haben mittlerweile beide sehr Freude an Wäldern, Bäumen und Steinen und natürlich an Brücken. Wir fuhren also nordwärts auf den Västeralen, die bei Weitem nicht so berühmt und landschaftlich nicht so dramatisch sind wie die Lofoten, und genossen die Fahrt. Der Weg führte über Hinøya, Sortland und Andøya Richtung Andenes. Nach Liland ging`s durch den Forfjorden Naturreservat, so wunderschön zum Anschauen und um Bilder zu machen. Immer wieder kamen kleine Weiler und Örtchen mit ganz wenigen Häusern, und dann wieder nur minutenlang Natur pur. Und Meer natürlich. Die Häuser, welche oft sehr gepflegt aussehen, sind eine grosse Augenweide. Weiter ging es durch das Naturreservat Eikeland und Risøysundet, ebenso bemerkenswert schön, fast nicht zum Aushalten. Wir waren uns einig, dass die geschossenen Fotos nie das aussagen, was wir empfinden. Kurz vor Andenes sprachen wir darüber, ob wir weiterfahren, oder doch in Andenes campen wollten. Im Hafen sahen wir dann, dass in 2 Stunden eine Fähre gehen würde und wir beschlossen darauf, weiter zu gehen auf unserer Reise. Die Fähre fährt in den Gewässern des Andfjorden und kommt in Gryllefjord auf dem Naturreservat Sandsvika nach ca. 110 Minuten an. Die Überfahrt war Dank den hohen Wellen ziemlich schaukelnd und unangenehm. Die Fähre war alt, sehr laut und sehr rostig. Als wir es glücklich geschafft hatten, ging es auf einer sehr engen Strasse durch das Dorf. Der Gegenverkehr bestehend aus Womos breiten Lastwagen, und Motorradfahrern sowie Autofahrern wartete geduldig in der Kolonne, bis wir Ausfahrenden endlich Platz machten. Das Kreuzen war bisweilen sehr erschwert, mussten wir doch bereits auf dem Schiff schon die Aussenspiegel einziehen, damit sie von den andern nicht abgeknickt wurden. Übrigens ist das warme Wasser des Golfstromes ein idealer Ort für Wale, weshalb hier auch Whale watching angeboten wird. Früher wurden sie gejagt, heute nur mit Touristenbooten verfolgt, damit die tolle Fotos machen können. Wir lernten einen Deutschen kennen, der in Norwegen lebt, er wollte uns die Walsafari schmackhaft machen. Wir lehnten dankend ab, da wir die Tiere nicht jagen möchten. Nur Elche, welche freiwillig kommen, die schon. Und ja, Rentiere auch. Unsere Fahrt ging also weiter auf der Insel Senja durch den Nationalpark Anderdalen, inmitten riesiger Berge, umrahmt von immer wieder schönen Fjorden und Gewässern. Senja hat eines der letzten Mischwaldkulturen, bestehend aus Birken und Kiefern in diesem Naturschutzgebiet. Belegt mit weitläufigen Feldern und dichten Wäldern, ist es auch die Heimat von vielen Bauern und ihren Familien. Vorbeifahrend an Finnsnes sahen wir wieder ein auffälliges Schiff der Hurtigrute, das hier turnusgemäss anlegt, und vor Anker lag. Mittlerweile war es bereits später Abend, wir hatten auch noch kein Abendbrot gegessen, und diskutierten verschiedene Möglichkeiten des Übernachtens. Wildcampen, war eine Option, wir wollten aber nicht an der zwar nicht dicht befahrenen Hauptstrasse stehen, aber an einem See oder Fjord, möglichst ohne Wasserfall, mit nicht zu vielen Nachbarn, da es sehr spät war, und die bereits schlafen würden. Schon auf der Meeresüberfahrt war ich ko. und habe ein Power nap gemacht. Im Gebirge steil hinauffahrend, ergab sich alsbald ein kleines Problemchen. Wir hatten nicht mehr so viel Diesel im Tank. Aber weit und breit keine Tankstelle. Der Mercedes meinte, bis nach Tromsø seien es noch 180 Km und reichen würde es für 173 Km. Nicht gerade beruhigend. Irgendwann, wir hatten beschlossen doch nicht Tromsø anzufahren, es müsste so gegen 22 Uhr gewesen sein, kreuzten wir einen Camping, ich meinte dann, er hätte bestimmt schon geschlossen. Also fuhren wir weiter. Wir waren beide sehr müde, und ich sehr froh, nicht fahren zu müssen. Dafür fühle ich mich immer sehr verpflichtet, gut nach vorn zu schauen, damit ich warnen kann, wenn. Und tatsächlich, plötzlich auf der linken Seite sah es aus wie ein Elch. Rico meinte, er hätte auch gedacht, es sei ein Elch. Es waren nur 2 braune Steine, welche von Weitem wie ein Elch aussahen. Mir mussten fest lachen und haben noch lange davon gesprochen. Irgendwann dann kam erstmals ein Achtung Rentier Gefahrensignal, und ich meinte, jetzt lassen die Norweger auch noch die Rentiere los. Wir fuhren unbeirrt weiter, und Rico fuhr nie das Tempo, das er fahren dürfte. Ich graste weiterhin die Waldränder ab, immer hoffend, dass nie ein Elch oder ein Ren vor uns auf die Strasse hüpft. Wir hatten uns schon an den Gedanken gewöhnt, heute wirklich wild zu übernachten, und suchten immer noch ein Plätzchen. Und wieder eine Warntafel, diesmal wieder Achtung Elch. Aber dann, um 22:38 sehe ich den Elch. Der Moment, der so unglaublich ist, dass man es fast nicht glauben kann. Ich hatte mir immer wieder überlegt, es Rico normal zu sagen, damit er nicht erschrickt, eine Notbremsung einleitet oder gar ein Ausweichmanöver macht. Ich vergewisserte mich und sagte ganz ruhig: Du Schatz, det obe links staat en Elch und rächts na es Reh. Er bremste ganz langsam, und ich begann durch das offene Fenster zu filmen. Wir verhielten uns ganz ruhig und die Elchmama beäugte uns, langsam weiterfressend. Ich schwenkte langsam zu dem vermeintlichen Reh und wieder zurück. Nach 42 Sekunden war der Spuk vorbei und Mama beschloss, in den schützenden Wald zurück zu kehren. Ihr Elchjunges folgte ihr und tapte hinterher. Erst einen Tag später, beim Vergrössern des vermeintlichen Rehs im Video bemerkte ich, dass es ja 2 Elche gewesen waren. Wir hatten so ein unglaubliches Glück und wir waren so happy. Dies passierte im Sagelvatn Naturreservat, in Nordkjosbotn. Tatsächlich, Natur pur. Wir fuhren weiter, als um 23:40 plötzlich ein Campingschild mit der Aufschrift: offen, Drop In am Wegesrand stand. Ja wir wollten es versuchen. Keine Resepsjon, kein Mensch, alles still. Beim Weiterfahren ein Schild, da stand Phone me please. Aber um die Zeit will niemand geweckt werden, oder? Also speicherte ich die Nummer mit Camping und schrieb eine Whats App auf englisch. Wir sind die Schweizer mit Caravan, dürfen wir hier übernachten? Er schreibt sofort zurück, ja gerne, er sei in 2 Minuten bei uns. Tatsächlich kam er gutgelaunt und freute sich über die 2 alten Touris aus Good old Switzerland. Er war so freundlich, erklärte uns alles und sagte, zahlen könnt ihr dann morgen. Das war nun eine gute Nachricht, und nach 40 Minuten stand unser Wagen schlafbereit da, wir fertig geduscht nach all den Anstrengungen und wir schliefen friedlich ein.