Tag 39

Montag, 3.7.2023   Die Sonne stand bereits seit Stunden am Himmel und erwärmte die Umgebung auf warme 9°. Wie gut, dass wir zu Hause auf dem Balkon das Kälteaushalten geübt haben. Zuerst mussten wir aber drüben beim grossen Souveniershop unsern Platz bezahlen, ausserdem noch die Duschmünzen organisieren, welche es auf diesem Camp benötigte. Aber dann gings los, das Nordkap ist ca. 136 Km entfernt, und wir würden dazu 2 Stunden benötigen. Ursprünglich wollten wir nie ans Nordkap reisen, aber eben, kurzentschlossen, gestern beschlossen, sind wir heute dahin geschossen. Wieso wir nie dahin wollten? Viele Reisende erzählten uns, dass es nichts Besonderes, das Wetter eh immer schlecht sei , und es so viel koste, dass es nicht lohnenswert sei. Fabienne und Dani waren dort und hatten aber eine positive Meinung dazu. Ausserdem trafen wir ein paar Leute, denen es auch gefallen hat. Also nichts wie hin. Und ja, ich weiss, wir waren ja schon fast einmal soweit, haben dann aber Fabienne und Dani besucht. Klar, es waren viele Kilometer, aber – wir haben Zeit! Aber wieso um Gottes Willen redet niemand von der tollen Fahrt mit der urschönen Natur, den Rentieren, denen man dauernd ausweichen muss, den hübschen und kleinen Dörfchen, den wundervollen Ausblicken vom Berg oben in die Fjorde, den Wolken, denen man so nahe kommt, dass man meint, sie berühren zu können und den Seelein? Schon bald erreichten wir das Nordkap und waren sehr erstaunt, keinen Eintritt bezahlen zu müssen. Also parkten wir unser Fahrzeug und gingen bei schönstem Wetter auf die Plattform, auf welcher die Weltkugel steht, wo alle Leute unbedingt ein Foto machen müssen. Wir natürlich auch. Das Nordkap befindet sich auf einer geografischer Breite von 71°10`21 N und ist eines jener fast schon sagenumworbenen Traumziele nicht nur für Automobilisten, nein auch für Radfahrer. Die strampeln sich da hoch, und natürlich muss das schwerbeladene Rad auch aufs Bild. Als Beweis sozusagen. Nicht wenige benötigen Hilfe, um dies zu bewerkstelligen, geht es doch ein paar steile Stufen hoch. Fälschlicherweise wird auch behauptet, dass es sich beim Kap um den nördlichsten Punkt des europäischen Festlandes handelt. Ein wolkenfreier Himmel ist hier selten, und tatsächlich, bald begann die Wolkensuppe sich zu verdichten. Über das Plateau fegen oftmals auch sehr starke Winde, was die Anfahrt zum Kap natürlich auch für Radfahrer, sowie sogar für Motorradfahrer sehr gefährlich macht. Mit dem aufkommenden Nebel und dem starken Wind kämpften wir uns über das gepeitschte Plateau zu der Bildinstallation Kinder der Welt. 1989 wurde sie von sieben Kindern aus verschiedenen Teilen der Welt erstellt. Sie muten wie grosse Steintaler an und sind recht sehenswert. Sie symbolisieren über alle Grenzen reichende Zusammenarbeit, Freundschaft, Hoffnung und Freude. Gleich daneben steht eine Skulptur Mutter und Kind. Plötzlich flogen 2 Militärdüsenjäger vorbei, Rico meinte, es sei die Nato. Der Wind blies immer heftiger, man konnte durch den Nebel fast nichts mehr erkennen und die Sonne, welche uns seit vielen Tagen treue Begleiterin war, verschwand. Nach einem heissen Kaffe mit Kannelsnurr natürlich, mussten wir im riesigen Souveniershop eine Tasse erwerben. Sie ist für den Wohnwagen bestimmt und selbstredend ist das Nordkap darauf abgebildet. Bis 1956 gelangten die Touristen nur per Boot zum Kap und mussten dieses mühsam erklimmen. Aber mit der Europastrasse kamen die Besucher und mit ihnen das Geld für weitere Investitionen. Seit 1999 existiert der Nordkapptunnelen, ein Unterwassertunnel mit einer Länge von 6870 Meter zur Insel Magerøy, der tiefste Punkt liegt bei 212 m unter Wasser. Die Baukosten betrugen damals ca. 1 Mrd. NOK und der Bau dauerte 5 Jahre. Die Norweger sind gute Tunnel und auch Brückenbauer. Seit 2012 ist die Durchfahrt kostenlos, scheinbar hat der Staat soviel Geld eingenommen. Ich möchte festhalten, dass in den neuen Reiseführern immer noch steht, es sei so teuer. Auf dem Nordkap hat es ein sehenswertes Museum, welches wir durch ein hohes Aufkommen der Touristen nicht besichtigen wollten. Schade eigentlich. Auf der spannenden und sehenswerten Rückfahrt hielten wir mehrmals an, auch wieder um Fotos zu schiessen und das schäumende Meer, welches sich sehr dramatisch und laut auf die Klippen warf, zu bestauen. So dermassen schön zu hören und zu sehen. Hoch oberhalb des Meeres fanden wir viele ausgehölte Seeigel. Vermutlich wurden sie vom Meer ans Land geworfen und die Möwen haben sie leergefressen, da sie nicht mehr zurück ins Wasser konnten. Wir legten dann noch einen Halt in Honningsvåg ein, wo ich einen Christmasshop besichtigte, und noch ein wenig umherschlenderte. Abends auf dem Platz trafen wir 3 Schweizer und eine Österreicherin, sie waren alle mit dem Fahrrad und Zelt da, welche sich in der Gemeinschaftsküche verpflegten. Wir hatten lustige Gespräche mit den jungen Leuten, und teilten einige Tipps zusammen aus.

Bilder Tag 39

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