Tag 35

Donnerstag 29.6.23   Ich muss noch etwas zu unserem wirklich herzigen Campingplatz am Storfjorden sagen. Hier hat es ganz viele Stammgäste, welche Dauercamper sind und den Wohnwagen quasi als Wochenendhäuschen benutzen. Dazu haben sie einen Vorbau selber gezimmert, der oftmals viel grösser als der Wohnwagen selbst ist. Vorne am Anbau steht oft ein grosser Balkon, auf dem man mit vielen Gästen sitzen und feiern kann. Meistens sind diese Vorbauten sehr schön farbig angemalt, aber auch nur weisse sehen bereits toll aus. Der Platzwart hat mir erzählt, dass die meisten Leute aus Tromsø kommen und nur ca. 90 Minuten entfernt wohnen, so dass dies eine kurze und machbare Distanz für das Weekend ergibt. Die Leute haben viel Zeit und Geld aufgewendet, und waren mit sehr viel Herzblut dabei. Bei uns in der Schweiz wäre dies nicht möglich, da der Platz limitiert und parzelliert ist, ausserdem haben wir sonst noch viele Vorschriften. Auch haben viele Dauercamper ein Boot, welches hier im campingeigenen kleinen Hafen liegt, und können somit gleich fischen gehen, und so ihr Abendessen organisieren. Also, wir mussten unseren Platz wieder verlassen, um weiter reisen zu können. Auf der Skandinavischen Halbinsel fuhren wir dem Lyngenfjord entlang Richtung Suomi Finnland. Über Skibotn fuhren wir gemächlich durch das Lullefjellet, vorbei am wunderbaren, tosenden und Gischt speyenden Wasserfall, dem Didnojohka. Natürlich mussten wir aussteigen, um dieses Naturwunder von Nahem zu sehen, und mein Mann wagte sich ziemlich weit nach vorne. Unsere Reise sollte ca. 4 Stunden dauern, unser Ziel lag 199 Km weit entfernt in Lappland. Bereits um 11 Uhr erreichten wir die Finnischen Grenze, wo wir problemlos den Zoll überquerten. Minuten später passierten wir eine Tankstelle, welche sehr von Tankwilligen belagert wurde. Und da spazierte ein Rentier, ohne sich um etwas zu kümmern, frass Gras und war zufrieden. Leider konnte ich nicht fotografieren, da ich am Lenkrad war. Und sofern man viele Autos hinter sich hat, ist es ein Unding, einfach anzuhalten und evt. einen Unfall zu provozieren. Gleich danach ein grosses Warnschild, welches die Autofahrer auf Rentierzuchten hinwies. Vorsichtige Fahrweise war also angebracht. Minutenlang ging es der E 8 entlang, immer geradeaus, ab und zu unterbrochen von einer kleinen Kurve oder Richtungsänderung. Eigentlich kann man das gar nicht beschreiben, man muss es selber sehen. Ja das natürliche wunderschöne Lappland, es ist einfach fantastisch und unbeschreiblich. Rentiere haben wir keine mehr an diesem Tag, obwohl wir mit vielen Tieren gerechnet haben. Links und rechts Bäume, ab und zu ein kleines oder grösseres Seelein und natürlich Mücken. Mir schien, als wir die Grenze zu Finnland überquerrten, hätten sich die Mücken auf uns und in unser Auto gestürzt. Nachdem wir morgens bei sehr kühlen Temperaturen und nicht wenig Nebel losfuhren, kämpften wir mittlerweile gegen die Hitze, waren es doch bereits 23° warm, und im Auto fühlte es sich noch wärmer an. Unterwegs haben wir mit meinem Patenmeitli Fabienne gekabelt und mitgeteilt, dass wir sie und ihren Partner in Äkäslompolo besuchen wollten, wenn es denn reichen sollte. Um halb 1 benötigten wir eine Pause und einen Kaffe, und so hielten wir beim Sturmbock, einem Museumscafe, an. Die Anlage in der Nähe von Järämä bestand aus Schützengräben, mit Soldaten die Maschinengewehre und Panzerabwehrkanonen hatten, und so in ihrem Beobachtungsposten Wache schoben. Ab 1942 wurden diese Stellungen von Pionieren der deutschen Armee, sie dienten dem Schutz der Eismeerhäfen. Nach dem Rückzug der deutschen Truppen aus Nordnorwegen und Petsamo wurde die Sturmbockstellung auf Januar 1945 kampflos geräumt. Noch heute befindet sich dieses Museum hier vor Ort, wir besuchten es aber nicht, sonder begnügten uns mit Kaffe und einem feinen Heidelbeerkuchen. Mehrere, sich immer wiederholende Gefahrensignale Achtung Rentiere passierten wir, doch nie zeigte sich ein solches Wesen. Zum Glück. Irgendwann tauchte auch wieder ein Achtung Elch Signal auf, aber auch hier, kein Elch auf weiter Flur. Gott sei Dank. Kurz nach 16 Uhr erreichten wir Äkäslompolo und parkten unser fahrbares Häuschen gleich auf dem dort liegenden Campingplatz, den uns Fabienne empfohlen hatte. Nur wenig später besuchte sie uns mit ihrem Partner Dani, und schon hatten wir eine Einladung zu einem Apéro mit anschliessendem Znacht in ihrem Blockhaus, welches sie für eine Woche bewohnten. Das Haus lag inmitten vom Wald, umgeben von andern grösseren und kleineren Blockhäusern, und wurde des öfteren von Rentieren besucht. Leider sahen wir auch diesen Abend kein Rentier. Dafür kam ein Eichhörnchen, das jeden Morgen und Abend hier seine Nüsse knabberte, welche Fabienne und Dani ihm jeweils vom Balkon hinunter warfen. Wir durften einen lustigen und interessanten mit diesen zwei jungen Leuten verbringen, und natürlich war es auch toll, wieder einmal längere Gespräche mit andern Leuten abzuhalten.

Bilder Tag 35

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