Tag 69

Mittwoch, 2. August 2023   Heute Nacht ab 2 Uhr hatten wir Dauerregen, dass es nur so auf das Wohnwagendach prasselte und uns natürlich aufweckte. Am Morgen verzeichnete der Campingplatz riesige Seen auf dem Rasen, die ganzen unasphaltierten Strassen waren kaum mehr zu erkennen, ausser einzelnen grossen Steinen, welche hervorlugten. Trotzt des vor Jahren gemachten Rettungsschwimmerbrevets fand ich es nicht angebracht, mich in Gefahr zu bringen… Kurzerhand fuhr ich mit dem Auto, statt des Velos, in den Laden um Frühstücksbrötchen zu kaufen. Ich war zur Zeit die einzige Person, die sich draussen befand. Ergo hätte mich gar niemand retten können, falls es denn nötig gewesen wäre. Unaufhaltsam regnete es in Strömen, und kein Ende in Sicht. Auf der Wetterapp war ersichtlich, dass es unterhalb vom Vätternsee ein wenig besser aussah, und so machten wir uns auf nach Jönköpping. Tatsächlich nahm der Regen unterwegs immer mehr ab und schlussendlich war es nur noch bewölkt, als wir im Streichholzmuseum ankamen. Schon beachtlich, was 99 Kilometer wettertechnisch gesehen, ausmachen. Im Tändsticksmuseet wird auf eindrückliche Art die Herstellung der Zündhölzer gezeigt und deren Geschichte erzählt. 1845 begann Carl Frans Lundström mit seinem Bruder Johan Edvard die Streichhölzer zusammen mit 30 Arbeiterinnen und Arbeitern in einer kleinen Schusterwerkstatt herzustellen. Doch schon bald wurde die kleine Fabrik zu eng und am Vätternsee wurde eine neue Produktionsstätte, welche das heutige Museum ist, bezogen. 1848 waren die neuen Gebäude fertig gestellt, und das Geschäft mit den Streichhölzern blühte. 2/3 der arbeitenden Mannschaft bestand aus Frauen, und damals wurden noch Kinder zur Herstellung beigezogen, die arbeiteten nämlich nur für einen Drittel des Lohnes. Von Montag bis Samstag wurde produziert, am Sonntag durften die Kinder gratis in die fabrikeigene Schule gehen. Das Museum hat uns sehr gefallen, schade war trotzdem, dass alles nur auf schwedisch und englisch beschrieben war. Dies macht es mühsam, immer wieder alles übersetzen zu müssen. Draussen regnete es immer noch nicht, aber die Wolken wurden immer dunkler und mehr, so dass wir uns ins Espressohouse setzten um einen wirklich ausserordentlich guten Cappuccino zu trinken. Wir hatten zwar Regenklamotten dabei, liessen sie aber wohlweislich im Auto, welches weiter weg parkiert stand. Auf dem Rückweg statteten wir Gränna einen Besuch ab, hier werden seit 1850 die berühmten Polkargris hergestellt. Gränna ist das Mekka von Süssigkeiten und Godis, im ganzen Dorf weht dauernd ein süsser Wind. Die rot weissen Zuckerstangen mit Pfefferminzgeschmack werden hier von mehreren Geschäften hergestellt und oft hat es eine Scheibe, durch die man bei der Herstellung zusehen kann. Die Leute drängen sich davor und sind begeistert. Gränna selber ist eine schmucke, herzige Stadt in Schweden, deren Einkaufsstrasse von eben diesen Geschäften lebt. Farbig geht es hier zu und her. Dreh und Angelpunkt der Schmelztiegel und der Polkagris-Kultur! hier finden auch die Weltmeisterschaften im Polkagris-Herstellen statt, und alljährlich pilgern 1,5 Millionen Menschen hierher. Auf dem Rückweg begann es wieder zu regnen, und eigentlich hätten wir den Grill anmachen wollen. Da dies bekanntlich nicht so gut geht im Vorzelt und wir keine Lust mehr auf Regen hatten, fuhren wir gleich weiter nach Vadstena. Dort probierten wir ein anderes Restaurant aus und wurden nicht enttäuscht. Ich probierte erstmals einen Taco und Rico hatte ein Cordonbleu, beide waren wir zufrieden mit unserer Wahl. Auf dem Campingplatz nahmen wir noch einen feinen Kaffe und assen den im Dorf gekauften Kanellbulle und den Mohnkaka, und dann bereiteten wir uns für die stürmische Nacht vor. In der Wetterapp war von Sturmwinden die Rede, und kurz darauf begann es zu stürmen. Der Wind zerrte wütend an unserem Vorzelt, so dass uns Angst und Bange wurde. Das Zelt hielt jedoch stand, was mich persönlich nicht verwunderte, Rico hatte es nämlich wohlweislich gut verankert und jeden nötigen Hering eingeschlagen. Der Sturm peitschte das Wasser im See, und er brüllte so laut, dass man draussen sein eigenes Wort nicht verstehen konnte. Er rüttelte die ganze Nacht so fest am Wohnwagen, dass wir einander immer wieder anschauten, und uns fragten, wie lange dies noch dauern möge.

Bilder Tag 69

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