Tag 29

Freitag, 23.6.2023   Unser grosses Ziel die Lofoten, setzen sich aus einem 1227 Quadratkilometer grossen Inselreich, das von Südwest nach Nordost aus den Hauptinseln Moskenesøy, Flakstadøy, Vestvagøy und Austvagøy, zusammen. Sie sind allesamt mit Brücken und Tunnels verbunden. Die Wasserstrassen zwischen den grossen, bewohnten Eilanden weisen oft tückische und gefährliche Strömungsverhältnisse auf und sind für Seeleute ein risikoreiches Gewässer. Da die Lofoten sehr bekannt für ihren Fischreichtum sind, werden sie oft von Hobbyfischern besucht. Nun kommt mir gerade in den Sinn, dass Rico immer noch keine Fischerrute sein Eigen nennt… Jä nu. Heute nach dem Frühstück fuhren wir dick eingepackt, mit Handschuhen bewehrt und natürlich dem Regenzeug im Rucksack, nach Å. Dies ist der kürzeste Ortsname, man spricht es Aa aus. Der Himmel zeigte sich von seiner schlechten Seite, nämlich nebelverhangen und in sämtlichen angsterregenden Grautönen. Unterwegs sahen wir bei einem kleinen Wasserfall einen eingeklemmten Stein, ähnlich des Preikestolen, und so erlaubte sich Rico einen Scherz, bestieg den Stein, und ich musste fotografieren. Die Schwierigkeit bestand darin, nicht auszurutschen und ins Wasser zu fallen. Ausserdem war der Stein ziemlich hoch. Die Fahrt war kurz und dauerte nur 4,8 Km. Wir kurvten mit unsern Fahrrädern ein wenig in Å umher, immer durch die kleinen Gässchen, hinter den Fischerhäuschen herum, bis wir genug kalt hatten. Nun war der richtige Zeitpunkt für einen Kaffe fanden wir. Und so kamen wir bei einer Boots und – Angelvermietung, bei Kathrin und Marcel an. Kathrin hat nur ein winzig kleines Räumchen, wo sie Kaffe ausschenkt und frische Lachsbrötchen reicht, sowie wenig Süsses anbietet. Der Kaffe war ausgezeichnet, der Beste, welchen ich bisher in Norwegen getrunken habe. Rico fand das auch, und bestellte gleich noch ein Lachsbrötchen. Leider kann man bei Kathrin nicht im Trockenen sitzen, nur draussen hatte es Holztische. Ich habe ziemlich lange mit ihr geredet, während sie Ricos Brötchen machte. Unterdessen lernte ich gleich noch ihren Mann Marcel kennen, beide kamen vor 10 Jahren aus Deutschland hierher, und betreiben miteinander dieses Business und nebenbei vermieten sie auch noch Rorbuer. Dies sind die typischen roten alten Fischerhäuschen. Danach gingen wir endlich das Fiskemuseum anschauen, es besteht aus vielen Rorbuern, Gebäuden und auch Sehenswürdigkeiten, die sich teilweise auch draussen befinden. In diesem Fischermuseum, das sich auch Stockfischmuseum nennt, geht es vorwiegend um die 1000 Jährige Geschichte dieser Handelsware. Wie wird der Fisch gefangen, wie verarbeitet etc. Ein 30 minütiges Video klärt auf, und damit man es nicht vergisst, der Duft der Fische hängt überall in der Luft. Eigentlich ist es auch gleichzeitig das norwegische Fischerdorfmuseum, ähnlich dem Ballenberg in der Schweiz, oder dem Maihaugen in Lillehammer bei Oslo. Bei der Bäckerei, welche auch zum Museum gehörte, kauften wir noch 4 Kanellsnurr, die besten Zimtschnecken Norwegens. Riesige Dinger, ganz warm und frisch aus dem Ofen. Einer kostet 60 Kronen, dies sind ca.   Fr. 4,92. Ein stolzer Preis! Als wir wieder kalt genug hatten, war es nochmals Zeit für einen feinen Kaffe. Marcel, Kathrins Mann fand damals, dass sie nur guten Kaffe verkaufen wollen, und deshalb beschlossen sie, italienischen zu besorgen. Dies lohnt sich auch, weil sich das herumspricht. Also schnell wieder zu den beiden Deutschen zurück radeln. Unterdessen fand sich eine kleine deutsche Reisegruppe ein, welche alljährlich bei und mit Marcel zusammen eine Angelwoche verbringt. Sofort nahm uns die illustre Gesellschaft in Beschlag und palaverte mit uns herum. Was haben wir zusammen gelacht. Rico erzählte, dass er vorgehabt hätte, nur das zu essen, was er eigenhändig in Norwegen gefangen oder erlegt hätte. Eigentlich müssten wir total schlank, ja wenn nicht gar abgemagert heimkehren. Aber wir haben uns anderweitig Essen besorgt. Wir hielten uns die Bäuche beim Lachen. Unterdessen köchelte ein Rindergulasch auf dem offenen Feuer, welches die Gruppe jeweils am ersten Tag isst. Sie nötigten uns, mit einem Marillenschnaps auf ihren Urlaub anzustossen, schlussendlich wurden dann 2 daraus. Wir hätten noch lange da bleiben können, und wir hätten bestimmt auch noch zu Essen bekommen, aber es war an der Zeit, heimzukehren. Am Schluss posierte Rico dann noch mit einer Angelrute, was wieder zur allgemeinen Belustigung beitrug. Und damit wir auch wirklich keinen Hunger leiden müssen, kauften wir bei Kathrin noch einen geräuchten Lachs, den wir nun peu à peu vertilgen. Übrigens ist Å autofrei und es gibt ca. 30 150 Jahre alte Häuser, die sehr sehenswert sind. Da der Parkplatz ausserhalb ist, und es ziemlich viele Wohnmobile hatte, war der Platz proppenvoll. Es war wirklich ein spannender und fantastischer Ausflug.  Auf dem Rückweg zum Campingplatz schauten wir noch in eine riesige Lagerhalle, in der Stockfisch zum Versand bereit stand. Ich fragte den Mann ein wenig aus und bereitwillig erklärte er uns, dass die Italiener die grössten Abnehmer seien. Stoccafisso Norvegese sei ein Leckerbissen und sehr bekannt und beliebt. Er gab Rico ein Stück getrockneten Fisch, welcher wirklich sehr hart ist, insgesamt hielt sich die Begeisterung in Grenzen… Ich muss nicht extra erwähnen, dass ich gerne auf diese Spezialität verzichtete.

Bilder Tag 29

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