Tag 74

Montag, 7.8.2023   Die ganze Nacht prasselte der Regen unaufhörlich auf das Wohnwagendach, deshalb waren auf dem Campingplatz sehr viele grosse Pfützen entstanden, das viele Wasser konnte einfach nicht ablaufen. Schnellstmöglich wollten wir diese Regenzone verlassen, deshalb gab es auch kein Frühstück, sondern nur Kaffe. Rico musste bei strömendem Regen  den nassen, schweren und schmutzigen Teppich mit mir zusammen einpacken, es war ein schwieriges Unterfangen. Aber als gut funktionierendes Team waren wir schon Einiges gewohnt, und packten auch diese Herausforderung. Trotzdem muss man sich einmal vor Augen halten und vorstellen, wieviel Zeit ein Zusammenpacken – und Räumen benötigt. Bereits ein nur 10 m langes Stromkabel zusammen zu nehmen, welches im Pflotsch gelegen hat, dreckig und nass ist und nun wieder zusammengerollt werden sollte, möglichst trocken natürlich, benötigt einen nassen Lappen um das Kabel möglichst sauber aufzurollen. Wenn man es nämlich schmutzig versorgen wollte, würde der Stauraum immer verdreckter werden, ausserdem sind dort noch die Campingstühle, der Tisch, der Sonnenschirm, Kleinkram und die Sitzpolster versorgt. Gut, wenn alles wirklich trocken und sauber ist. Damit wir möglichst wenig Nässe abbekamen, arbeiteten wir in kurzen Shorts mit einer langen Regenjacke, Rico  hat meist noch seinen schützenden schwarzen Hut auf dem Kopf. Nach Beendigung kann man sich trocken reiben und hat nicht so viele nasse, feuchte Hosen im Wohnwagen herumliegen. Während des Zusammenpackens begann dann noch ein Gewitter mit Donner und Blitz, und wen verwundert es, dass sich keine Hasen blicken liessen?  Bei strömendem Regen fuhren wir los und unterwegs begannen die Sturmwinde am Auto und Wohnwagen herum zu zerren und rüttelten manchmal so fest, dass man Angst bekam, umzukippen. Aber zuerst freuten wir uns beide auf die Öresundbrücke, welche wir bereits von den im Fernsehen gesehenen Krimis kannten. Der berühmteste und sicherlich spannendste Krimi ist wohl die Brücke (The Bridge), in dem die Schweden mit den Dänen zusammen kooperieren und  ermitteln. Die Öresundbrücke ist die weltweit längste Schrägseilbrücke für kombinierten Strassen – und Eisenbahnverkehr. Sie bildet zusammen mit dem Drogdentunnel und der künstlichen Insel Peberholm die mautpflichtige Öresundverbindung, welche die dänische Hauptstadt Kopenhagen mit Malmö in Schweden verbindet. Die Brücke wurde am 1 Juli 2000 dem Verkehr übergeben, hat eine Gesamtlänge von 8745 m,  weist eine Breite von 23,5 m auf und kostete für uns mit Wohnwagen und Auto SFr. 215.- Pro Tag überqueren 17`000 Kraftfahrzeuge und 200 Eisenbahnzüge die Brücke. Die Baukosten dieser länderübergreifenden Brücke betrugen damals 1 Milliarde Euro. Ursprünglich wollten wir noch eine Weile in Dänemark verweilen, die Wetteraussichten waren aber so ernüchternd, dass wir dieses Ziel nicht mehr verfolgten. Wir wollten nun direkt weiter nach Fehmarn in Deutschland. Rico meinte auch, dass er langsam die deutschsprachigen Leute vermisste. Die Fahrt führte uns weiter über die dänischen Inseln Seeland, Falster und schlussendlich Lolland, wo uns der Hafen Rødby erwartete. Fast wie in Italien an den Mautstellen standen hier riesige Lastwagen mit Anhängern, viele Wohnmobilfahrer, Wohnwagenanhänger und Personenwagen, welche auf die Anweisungen der Besatzung warteten, um in den richtigen Fahrstreifen eingewiesen zu werden. Soeben fuhr eine Fähre davon Richtung Fehmarn, aber es dauerte nur wenige Minuten, bis auch wir uns bereits auf dem nächsten Schiff befanden und zur Abfahrt bereit waren. Nach sehr kurzer Zeit, die Fähre verkehrt alle 30 Minuten, begann bereits die Überfahrt, was hatten wir wieder einmal mehr Glück? Nach ca. 7 Minuten teilte uns der Kapitän auf schwedisch, dänisch und englisch mit, wir müssten umkehren. Der Grund war ein medizinischer Notfall an Bord. Alle Leute wurden augenblicklich still und waren in sich gekehrt, froh, dass es einem nicht selbst so erging. Da es auf dem Meer heftig stürmte, schaukelte unser Schiffe gen Hafen und hatte redlich Mühe, ruhig in die vorgesehene Anlegebucht zu fahren. Draussen hörten wir die Sirene des Rettungswagens und fieberten mit, jeder still in sich gekehrt. Das nächste Problem war nun natürlich das stehengebliebene Fahrzeug des Notfallpatienten, das musste die Fähre auch verlassen. Fast eine halbe Stunde lang versuchte die Crew, ein dänisches und ein schwedisches Auto wegfahren zu lassen. Aber niemand meldete sich, obwohl die Durchsage dauernd über Lautsprecher zu hören war. Schlussendlich fasste sich eine Schwedin ein Herz, und ging von Passagier zu Passagier, fragte sich durch, wem wohl die Autos gehörten, welche das Schiff blockierten. Nicht auszudenken, wenn ein Wohnwagen im Weg gestanden, und wie schwierig es sich erwiesen hätte, diesen umzuparken in der Enge des Schiffbauches. Mit einer Stunde Verspätung ging dann die Fahrt abermals los und auch die Sturmböen hatten sich weiter entwickelt. Die Überfahrt war recht stürmisch, beim Herumlaufen schletzte es uns von einer Ecke in die andere, was bei den Leuten ein Grinsen auslöste. Es sah nämlich so aus, als wären wir betrunken. Da es aber allen so ging, war es nicht schlimm. Wir quälten uns die Treppen hoch in das achte Deck, um in Schiffsfahrtrichtung nach vorne sehen zu können, ausserdem waren die Stühle dort sehr bequem und es war ruhiger als unten. Vielen Leuten wurde es auch schlecht, und immer wieder schleuderte das wütende Meer seine Wellen bis zu unserm Fenster hoch. die Wellentäler waren ca. 2 m tief, und das Schiff schaukelte beachtlich. Was waren wir froh, das Festland gesund erreicht zu haben! Wir erreichten das unheimlich windige aber trockene Fehmarn bei Sonnenschein.

Bilder Tag 74

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